Thomas Mann an Max Mohr
- Zeitraum
- Freitag, 21. April 1933
- Datierung
- 21.4.1933
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hält M.s Absicht, sich mit einem Leserbrief an die ›Münchner Neueste Nachrichten‹ für ihn einzusetzen, nachdem sein Vortrag ›Leiden und Größe Richard Wagners‹ mit einem ›Protest der Richard-Wagner-Stadt München‹ beantwortet worden war, für »wunderbar kindlich«, was ihn ergreift, »aber auch zu einem melancholischen Lächeln zwingt«. Fragt, welche Vorstellung er sich in seiner »Dichter-Reinheit« von dem Maß an Wahrheit mache, das im heutigen Deutschland gewagt werden könne. Gibt zu, dass der Schock beim Lesen des Pamphlets schwer gewesen sei. »Aber es war, ich versichere Sie, weniger persönlicher als allgemeiner Natur, das Entsetzen eines Deutschen vor einem moralischen, einem Geisteszustand, der alles für unser Land befürchten läßt.« Fragt sich, was das für eine Revolution sei: sie rühme sich ihrer Unblutigkeit, sie sei aber »die haßerfüllteste und totschlagesüchtigste, die es je war«. Das Ausland verachte sie, Deutschland sei isoliert wie selbst im Kriege nicht. Aber es sei schon der Krieg, der Revanchekrieg nach innen. Er werde nicht nach Deutschland zurückkehren. Der Münchener Fall zeige, dass man ihn verfemen wolle. »[...] ich habe die untrügliche Empfindung, daß mit einer deutschen Revolution, die einen Menschen wie mich aus dem Lande stößt, nicht alles in Ordnung sein kann.«
