Thomas Mann an Reichsministerium des Inneren, Berlin

Zeitraum
Montag, 23. April 1934
Datierung
23.4.1934
Empfänger:in
Ort

Zusammenfassung

Ersucht das Ministerium, auf die zuständige Behörde in München einzuwirken, dass sein Anfang April 1933 abgelaufener Pass erneuert und seine Habe, Haus, Bibliothek, Inventar und Vermögen, ihm zurückerstattet werden. Schildert im einzelnen ausführlich seine legale Abreise aus München und seine ursprüngliche Absicht, wieder nach München zurückzukehren. Auf Warnungen von verschiedenen Stellen, seine Sicherheit sei nicht mehr gewährleistet, habe er sich zum Abwarten im Ausland entschlossen. – Geht auf den ›Protest der Richard-Wagner-Stadt München‹ nach seinem Wagner-Vortrag ein; legt im einzelnen dar, wie man in München gegen seine Habe usw. vorgegangen sei. Verwahrt sich dagegen, dass man ihn in den Münchner Amtsstellen als »marxistischen Schriftsteller« bekämpft und weist auf seine erzählerischen und politischen Schriften hin. Er sei bei den »konservativ-antipolitischen Ideen der ›Betrachtungen‹« nicht stehengeblieben, sondern habe sich auf die Seite der Republik gestellt. Macht kein Hehl aus seiner »inneren angeborenen und naturnotwendigen Abneigung gegen das nationalsozialistische Staats- und Weltbild«. Zieht es vor, jetzt im Ausland zu leben. »Mein Außenbleiben fasse ich dennoch nicht als dauernde Trennung vom Vaterlande auf, sondern als eine vom Schicksal verordnete Episode, als eine Beurlaubung, wenn ich es so sagen darf, aus der Volksgemeinschaft für eine unbestimmte, aber gemessene Frist.« Auch wenn er den Ausweis nicht dringend benötigte, bitte er darum aus »ideellen, aus Gründen der Ehre: weil es nicht mein Wunsch ist und eine Verfälschung meines natürlichen Schicksals bedeuten würde, mit meinem Lande in unseligem Zerwürfnis zu leben, und aus dem Gefühl, dass in den Augen der Welt auch Deutschlands Ehre aus einem solchen Zustande keinen Vorteil zöge«. [Das Schreiben blieb unbeantwortet.]

Erwähnungen

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