Thomas Mann an unbekannt [eine Dame]
- Zeitraum
- Sonntag, 22. Dezember 1935
- Datierung
- 22.12.1935
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Seit seinem zweijährigen Aufenthalt in der Schweiz habe sich vom juristischen Standpunkt aus nichts an seinem Verhältnis zu Deutschland geändert. Er sei mit seiner Frau im Februar 1933 auf eine Vortragsreise gegangen, ohne die Absicht, nicht wieder zurückzukehren. Wegen einer Presse- und Rundfunkkampagne im Winter 1933 gegen seinen Wagner-Essay sei er im Ausland geblieben. Er versuche, den Kontakt mit seinen deutschen Lesern aufrechtzuerhalten, und werde es solange tun, wie er könne, ohne sein Gewissen zu opfern. Dies wisse man in Deutschland zu schätzen, und deshalb halte er sich in seinen öffentlichen Äußerungen zurück. Er bittet die Adressatin, diesen Brief vertraulich zu behandeln. Im Nachsatz: »Mein Haus, meine Bibliothek, mein Bankguthaben sind beschlagnahmt, und man weigert sich, obgleich ich legal, nach Erledigung der ›Reichtsfluchtsteuer‹ im Ausland lebe, hartnäckig, mir mein Eigentum zurückzugeben.«
