Thomas Mann an Rudolf Arnheim
- Zeitraum
- Mittwoch, 16. Dezember 1936
- Datierung
- 16.12.1936
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für A.s »warmen menschlichen und künstlerischen Zuspruch« und für die beigefügte Gabe, die Abbildungen von Michelangelos Fresken ›Jakob und Joseph‹. – Die Ausbürgerung, »die Maßnahme jenes blutigen Narren«, könne ihn innerlich nicht mehr berühren; vor drei Jahren hätte sie wohl noch einen seelischen Schock bedeutet. Vielleicht leiste dieses Vorgehen gegen ihn in der ganzen Welt einen kleinen Beitrag zu der Antipathie, die sich langsam gegen dieses Regime ansammle. »Der Himmel weiß, daß ich zum Lieben mehr als zum Hassen geboren bin; aber diese Menschen, verdorben, beladen mit längst nicht mehr sühnbarer Schuld wie sie sind, hasse ich aus meines Herzens Grunde und wünsche ihnen von ganzer Seele ein elendes Ende.« Bedauert, die beigefügten Abbildungen nicht gekannt zu haben, als er seinen Roman schrieb: sie hätten neue Freude und Ungeduld in ihm eingeflößt, »den Alten wieder auftreten zu lassen und ihn das beklemmende Wiedersehen mit dem Totgeglaubten erleben zu lassen«. Er habe sich jetzt aber etwas anderes, eine Goethe-Novelle, »in den Weg gelegt«.
