Thomas Mann an Georges Oprescu
- Zeitraum
- Donnerstag, 7. Januar 1937
- Datierung
- 7.1.1937
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Fragt O., ob er schon von dem Prozess gehört habe, den ein Mann namens Aurelian Pacurariu, Verfasser eines Hexameter-Gedichts ›Der Traum der Pharao‹, gegen ihn angestrengt habe mit der Behauptung, dass ihm von einem Dritten die deutsche Übersetzung dieses Epos verkauft worden sei, das er dann literarisch ausgeplündert habe, um seinen Joseph-Roman daraus zu machen. So unwahrscheinlich es klinge, solle tatsächlich eine gerichtliche Klage gegen ihn erhoben werden. Er sehe in dem betreffenden Pacurariu entweder einen Narren oder einen äußerst reklamebedürftigen Mann, der von gewisser Seite vorgeschoben werde, um ihm Unannehmlichkeiten zu bereiten. Auf Anraten rumänischer Zeitungsleser, die ihm einen bösartigen Artikel eines rechtsradikalen Blättchens zugeschickt hatten, habe er an die wichtigsten Bukarester Blätter eine Erklärung geschickt, die an Klarheit nichts zu wünschen übrig lasse. Ein Rechtsanwalt in Temesvar habe sich angeboten, seine Sache zu vertreten. Es seien phantastische Schadenersatzansprüche gestellt, auch von einer Londoner Filmgesellschaft, die aus seinem Roman einen Film hergestellt haben soll, der gar nicht existiert. Bittet O. um seine Meinung, wie ernst oder spaßhaft die Sache zu nehmen sei und wie man in Rumänien darüber denke. Falls es zu einer Verhandlung kommen solle, würde er einen literarischen Sachverständigen brauchen. Würde sich freuen, wenn O. diese Funktion übernehme. Hofft, ihn im Sommer in Paris wiederzusehen. [vgl. Brief an die Redaktion ›Adevărul‹, Bukarest vom 13.7.1936 / Reg. 36/160].
