Thomas Mann an Bruno Frank
- Zeitraum
- Samstag, 11. Juni 1938
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für F.s Geburtstagsglückwünsche »und [sendet] gleich in einem Atem damit die meinen zu Ihrem Feste übermorgen«. Hat die Nachrichten über die letzten Ereignisse in Europa mit Befriedigung aufgenommen: »Dem dummen Scheusal ist zum ersten Mal Halt geboten worden durch Intelligenz und Entschlossenheit.« [Die sogenannte ›Maikrise‹, in der die europäischen Demokratien sich hinter die Tschechoslowakei stellten, um ein militärisches Vorgehen Hitlers gegen dieses Land zu verhindern.] Ist sich aber darüber klar, »daß das Moralisch-Logische der Krieg wäre«. Will es trotzdem darauf ankommen lassen und am 24. Juni mit der ›Statendam‹ die Überfahrt antreten. [Wegen der Bemühungen um eine Wohnung in Princeton wurde die Überfahrt auf den 29. Juni mit der ›Washington‹ verschoben.] Wird in Zürich viel zu tun, zu ordnen und zu besprechen haben. Außerdem sei in Luzern ein Musikfest – »mit Toscanini, Walter und allem, was gut und teuer ist«. – Hat wegen der Aufgabe seiner tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft, die durch die Immigration erforderlich würde, Erklärungen an die verschiedensten tschechoslowakischen Autoritäten abgegeben, an Beneš, einen zur Veröffentlichung bestimmten Brief an die Gemeinde Proseč, an Professor Kozák, Konsul Laška in Zürich. – Erzählt von der Insel, auf der sie wohnen: sie sei ein rechtes Nebelloch, »das Horn brüllt den ganzen Tag wie eine kranke Kuh«; sie würden gepeinigt von kleinen Käfern, die sich in die Haut hineinbohren. Merkwürdig seien die Klippen der Insel, die zum Teil aus versteinertem Holz bestünden, Reste eines uralten Waldes.
