Thomas Mann an Robert P. Goldman, Union Central Building, Cincinnati, OH
- Zeitraum
- Dienstag, 7. März 1939
- Datierung
- 7.3.1939
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hat gehört, dass G. als Präsident der ›Union of American Hebrew Congregations‹ und als Mitglied des Board of Governors des ›Hebrew Union College‹ zugestimmt hat, den Fall Max Brod vor die Professoren des College zu bringen. Bei seiner Anwesenheit in Cincinnati am 13. März möchte er die Gelegenheit benutzen, mit G. und Präsident Julian Morgenstern über Brod zu sprechen. Der jetzt 54jährige Max Brod sei ein ausgezeichneter Jurist, der eine Zeitl ang im Staatsdienst gestanden habe. 1924 habe er als freier Schriftsteller die Verwaltung des Nachlasses von Franz Kafka übernommen, was zur Veröffentlichung von dessen besten Werken führte. Max Brod selbst schrieb Romane, aber sein internationaler Ruhm liege in seinen philosophischen und religiösen Schriften. Seit der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Nazis habe Brod keine Möglichkeit mehr, zu arbeiten. Als Jude werde er kaum die 2 Jahre bis zur Erlangung des amerikanischen Visums überleben. Seine wertvolle Sammlung von Büchern und Manuskripten Kafkas wolle er einer amerikanischen Universität übergeben, wenn er dort als Kurator der Sammlung oder als Lehrer angestellt werden könnte. Er erbittet für B. die Einreiseerlaubnis mit den notwendigen Papieren.
