Thomas Mann an Martin Havenstein
- Zeitraum
- Donnerstag, 9. Mai 1912
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Dankt für eine Besprechung der ›Königlichen Hoheit‹ in einem umfangreichen Essay, »der die größten Traditionen besitzt und mich als Composition direkt an den Versuch über naive und sentimentalische Dichtung erinnert«. Ist über die bisherigen Kritiken dieses Romans sehr enttäuscht, die entweder eine ›Simplicissimus‹-Satire oder einen ›Gartenlauben‹-Roman darin sehen. Übt einige Kritik an H.’s Analyse: »Das Leben ist nicht antithetisch; und so wünschenswert es ist, daß die Künstler Geist haben: so viel Geist, dass er der Natur dadurch entfremdet würde, darf er nicht haben.« So sei Dr. Überbein als aristokratische Existenz konzipiert, und Klaus Heinrich sei, trotz seiner »formalen Existenz«, populär. Der Roman sei wohl ein Buch mit demokratischer Tendenz, aber mit so viel ironischen Vorbehalten, dass die Tendenz fast umschlage.
