Thomas Mann an Agnes E. Meyer
- Zeitraum
- Dienstag, 31. Oktober 1944
- Datierung
- 31.10.1944
- Empfänger:in
- Ort
Zusammenfassung
Hat trotz einem »Intermezzo von Schlechtbefinden«, neuralgischen Schmerzen wegen des ständigen Nebelwetters, das XXIII. Kapitel des ›Doktor Faustus‹ beendet. – Geht auf ihren »praktischen« Brief ein und schildert seine finanzielle Lage nach dem Erscheinen des vierten Joseph-Bandes: ›Joseph, der Ernährer‹ hat sich nicht als der erwartete success erwiesen. Die Auflage von 30 000 Exemplaren hat Knopf noch nicht vollständig verkauft, von dem Honorar des Book of the Month Club, $ 40 000, wird nach Steuerabzug die Hälfte übrigbleiben, mit der er auf ihres Mannes Rat einen Teil der Hypothek auf dem Haus abtragen wird. Um die Verfilmung ist es still geworden. »Aber trotzdem und immer noch: für das nächste Jahr sind wir sichergestellt.« Er sei also auf den Zuschuss der Library nicht mehr angewiesen und bittet, ihn zu suspendieren; möchte aber damit nicht seine Beziehung zur Library of Congress aufgeben. Bezweifelt, dass es nach dem Kriege im heutigen Deutschland noch Leser für seine Bücher geben wird. Hat sich nunmehr zu folgendem Thema für seinen Vortrag entschlossen. »Deutschland und die Deutschen« oder »Deutschland und die Welt«: »eine objektive, psychologische, kritische, aber keineswegs rein negative und auch aus dem eigenen Wesen schöpfende Darstellung des deutschen Charakters und Schicksals der deutschen Geschichte, des deutschen großen Mannes, der Besonderheit, Inhibiertheit und Schwierigkeit des deutschen Verhältnisses zur Welt«. Gibt zu, dass es ein prekäres Thema sei, »und wahrscheinlich kann man es keinem damit recht machen«. Bittet um M.s Rat.
