Thomas Mann an Ernst Toch

Period
Friday, January 16th, 1948
Date
16.1.1948
Recipient
Place

Summary

Bedauert, für T.s musiktheoretische Schrift kein Vorwort schreiben zu können. Hat sich intensiv mit dem Buch beschäftigt und ist voller Bewunderung: »Es ist das liebenswürdigste musikalische Lehr- und Anschauungsbuch […], klar, einfach, heiter und tröstlich, von einer Liberalität, in der Aberglauben und falsche Feierlichkeit zergehen, broad-minded, wohlwollend-progressiv, ja optimistisch in Dingen der Zukunft der abendländischen Musik und ihrer vielen noch offenen Möglichkeiten […]« Kann die Vorrede nicht ausführen, weil er sich nicht als Musik-Sachverständiger einschalten will, nachdem er gerade als Romancier »einiges ad hoc acquirierte Wissen um Musik etwas hochstaplerisch an den Tag gelegt [habe]«. – Ist außerdem mit Arbeit überlastet: Die englische Fassung des ›Doktor Faustus‹ ist fällig, sie erfordert eine eingehende Korrespondenz mit der Übersetzerin, muss »um Einzelheiten kämpfen«. Sein Verleger Knopf plant eine einbändige Ausgabe des Joseph-Romans, verlangt ein Vorwort dafür. »Etwas Neues, nicht umfangreich, aber verwegen, wie wir’s nun einmal nicht anders tun, ist in Vorbereitung […], vielleicht fange ich am Ende an und dann von vorn.« – Aber der Hauptgrund seiner Ablehnung sei ein persönlicher. Sein Schwager Klaus Pringsheim bereitet ebenfalls ein musik-theoretisches Buch vor, und da würde das eine Vorwort das andere nach sich ziehen. – Es zöge weitere Konsequenzen, in einem Vierteljahr würde Dr. Albersheim ihm ein musik-philosophisches Manuskript »zu bestimmtem Zwecke« zu lesen geben. Rät T., seinem Buch kein Vorwort mitzugeben: »Ihr Buch spricht für sich selbst.« – Schickt ihm den ›Doktor Faustus‹: »Ich denke, die Anteilnahme am Schicksal der Musik, von der das Ding doch wenigstens zeugt, wird Ihnen manches fachlich Anstößige darin verzeihlich erscheinen lassen.«

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