Thomas Mann an Editha Klipstein
- Period
- Tuesday, July 3rd, 1951
- Date
- 3.7.1951
- Recipient
- Place
Summary
Hat einiges an K.’s nachdenklichen Betrachtungen über seine Deutschlandreise im Goethe Jahr 1949 auszusetzen. »Habe ich wirklich in Frankfurt ›nur von mir selbst gesprochen‹, und waren oder sind die deutschen Angriffe gegen mich ... wirklich ›gut begründet‹?« Habe er wirklich keine Verehrung für die Klassiker, kein Verhältnis zu ihnen gezeigt, und dürfe er all den Zeugnissen nicht glauben, die aussagen, er habe so manchem das Leben erleichtert? »Es bleibt mir dunkel, was mit dem ›hochbezahlten deutschen Gewissen‹ gemeint ist und damit, dass ich mir ›irdisch und öffentlich nichts habe entgehen lassen‹, dass an ›Reklame nichts gespart wurde‹ und dass ich ›die Welt behandle, wie sie behandelt sein will‹.« Dies seien Wendungen, die mit seiner Existenz nichts zu tun hätten. All dies seien für ihn Rätselworte, »aber viel Schuld trägt wohl an meinem Unverständnis, dass der Aufsatz streckenweise garnicht gut geschrieben ist«. Wahrscheinlich sei K. mehr Dichterin als Kritikerin, was ihr zur Ehre gereiche. Erwähnt das Erscheinen seines Romans ›Der Erwählte‹.
