Thomas Mann an Josef Sommer

Period
Monday, July 6th, 1936
Date
6.7.1936
Recipient
Place

Summary

Bedankt sich für S.s Dionysosbuch, das er »vom ersten bis zum letzten Wort« durchgelesen habe. Ist mit der liebevoll begeisterten Darstellung nicht immer einverstanden. Das heutige Nietzsche-Bild müsse von einer komplexeren Liebe eingegeben sein, mehr Abwehr stupiden Missbrauchs der fatalen Elemente von Nietzsches Denken und Dichten, die durch dessen Überwindung Wagners aufgewogen werden. Der Wagnerkult der »machthabenden Kleinbürger« zeige am besten deren reaktionären Charakter. Er wolle wahrhaben, dass in Nietzsche Elemente eines humanistischen Sozialismus enthalten seien, »die mehr Zukunft enthalten als all sein Übermenschen-Aristokratismus und alle Blonde-Bestie-Schwärmerei«. Manches bei Nietzsche sei nur unerträglich geworden »durch den äffischen Mißbrauch, den Spengler und andere damit getrieben haben«; das müsse erst wieder vergessen werden.

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