Thomas Mann an Ida Boy-Ed
- Period
- Saturday, October 9th, 1926
- Recipient
- Place
Summary
Schickt ihr die gedruckte Rede ›Lübeck als geistige Lebensform‹, dankt für ihre »klugen, freien, lebensoffenen Äußerungen« zu seinem »Pariser Reisebüchlein«. Beschreibt im einzelnen seine achttägige Autofahrt mit seiner Frau und Ernst Bertram in die Schweiz zu seiner Tochter Monika in Lausanne und zu seinem Sohn Golo nach Schloß Salem, wo dieser sich aufs Abitur vorbereitet. Fragt nach der Besprechung des ›Zauberberg‹ in ›Velhagen & Klasings Monatsheften‹. Ist verärgert, wenn man von der Kompositionslosigkeit des Romans spreche. »Habe ich dafür all die Jahre dagesessen wie ein orientalischer Teppichmacher und geknüpft, damit man nun sagt, von einer Komposition könne hier nicht gut die Rede sein?« Im ›Tod in Venedig‹ habe er auf 100 Seiten ein dichtes Kompositionsgewebe versucht: »Hier aber überzieht das Gespinst zwölfhundert!« Ihm stehe noch eine Reise nach Berlin zur Eröffnungssitzung der›'Preußischen Akademie der Künste‹ bevor und eine weitere zum Besuch seiner Tochter Erika; im Dezember weitere Reisen nach Wien und Budapest. Inzwischen möchte er aber die schon lange vorbereitete Niederschrift der Josephsgeschichte beginnen. »Der gefährlich unruhige Charakter, den mein Leben seit Jahr und Tag angenommen, ängstet mich.«
